Mehr als ERAS: Warum Fast-Track-Chirurgie Prähabilitation braucht

Der Status Quo: Fast-Track-Protokolle als Goldstandard

In der modernen Chirurgie sind Fast-Track-Konzepte, oft synonym mit ERAS (Enhanced Recovery After Surgery) verwendet, nicht mehr wegzudenken. Ihr Nutzen ist unbestritten: Durch ein Bündel an evidenzbasierten Maßnahmen – von der optimierten Anästhesie über minimalinvasive Techniken bis hin zur Frühmobilisierung und frühen oralen Ernährung – konnte die Stressantwort des Körpers auf den Eingriff massiv reduziert werden.

Das Ergebnis: eine signifikante Senkung der Komplikationsraten, eine verkürzte Verweildauer (Length of Stay, LoS) und eine schnellere Rückkehr der Patienten zur Normalfunktion.

Doch trotz dieser Erfolge stoßen wir in der Praxis an eine Grenze. Diese Grenze wird nicht durch das Protokoll selbst definiert, sondern durch den Ausgangszustand des Patienten.

Die Limitation: Wenn das Protokoll auf einen suboptimalen Patienten trifft

Die besten Fast-Track-Protokolle können ihre volle Wirkung nur entfalten, wenn der Patient die physiologischen und psychologischen Voraussetzungen mitbringt, um die Interventionen (wie die Frühmobilisierung) aktiv mitzutragen.

Die Realität sieht oft anders aus: Wir operieren zunehmend ältere, multimorbide Patienten mit deutlichen funktionellen Einschränkungen, Sarkopenie oder Mangelernährung.

  • Ein mangelernährter Patient kann die Nährstoffanforderungen der Wundheilung nicht decken.
  • Ein Patient mit geringer kardiopulmonaler Reserve toleriert die Frühmobilisierung nur schlecht.
  • Ein ängstlicher Patient hat eine erhöhte neuroendokrine Stressantwort, die den Genesungsprozess hemmt.

Fast-Track-Konzepte optimieren den perioperativen Pfad. Prähabilitation optimiert den Patienten, der diesen Pfad beschreitet.

Die Synergie: Prähabilitation als “Booster” für Fast-Track-Chirurgie

Prähabilitation ist nicht als Konkurrenz, sondern als die logische und notwendige Erweiterung von Fast-Track-Konzepten zu verstehen. Sie verschiebt den Startpunkt der Optimierung vom Tag der Aufnahme auf die Wochen vor dem Eingriff.

Die multimodale Prähabilitation (Bewegung, Ernährung, Psyche) adressiert gezielt die Schwachstellen, die den Erfolg von ERAS-Maßnahmen limitieren:

  1. Bewegung & Physiologie: Ein prähabilitierter Patient (höhere VO2max, bessere Lungenfunktion) ist in der Lage, die zentrale ERAS-Forderung – die Frühmobilisierung – aktiv und effektiv umzusetzen, statt nur passiv “mobilisiert zu werden”.
  2. Ernährung: Die präoperative Korrektur einer Mangelernährung (insb. Protein) ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche frühe enterale Ernährung post-OP und senkt das Risiko für Anastomoseninsuffizienzen und Wundheilungsstörungen.
  3. Psyche & Stressreduktion: Ein mental vorbereiteter Patient zeigt eine gedämpfte Stressantwort und benötigt oft weniger Anxiolytika und Opioide. Dies unterstützt direkt das ERAS-Ziel des optimierten Schmerzmanagements und der Vermeidung eines postoperativen Delirs.

Prähabilitation “lädt” die physiologischen und psychologischen Batterien des Patienten auf, sodass dieser die Anforderungen des Fast-Track-Protokolls nicht nur toleriert, sondern aktiv zur Genesung nutzen kann.

Die Implementierungslücke: Von der Evidenz zur skalierbaren Praxis

Die Evidenz für diese Synergie ist erdrückend. Die größte Hürde für Kliniken ist jedoch die Implementierung.

Wie stellt man ein multimodales Training für hunderte elektive Patienten pro Jahr sicher? Wie überwacht man die Adhärenz zu Hause, ohne die eigenen Personalressourcen (Case Management, Physiotherapie) zu überlasten? Papier-Anleitungen und vage Ratschläge scheitern nachweislich an der Adhärenz.

Hier schließt sich die Lücke zwischen Evidenz und klinischem Alltag.

Die Lösung: Digitale Prähabilitation als integraler Bestandteil mit Motus Health

Um Prähabilitation skalierbar und messbar zu machen, ist ein digitaler Ansatz unumgänglich. Die Motus Health Plattform wurde entwickelt, um evidenzbasierte Prähabilitation nahtlos in bestehende Fast-Track-Pfade zu integrieren.

Anstatt auf analoge Prozesse zu vertrauen, ermöglicht Motus:

  • Standardisierte Protokolle: Jedem Patienten wird digital das für ihn passende, multimodale Prähabilitations-Programm (Bewegung, Ernährung, Psyche) zugewiesen, das er per App durchführt.
  • Hohe Patienten-Adhärenz: Tägliche Check-Ins, Video-Anleitungen und Gamification steigern die Motivation und die häusliche Protokolltreue signifikant.
  • Ressourcenschonendes Monitoring: Ein Clinician Dashboard gibt dem Klinik-Team (z.B. Case Management, Studien-Assistenz) Echtzeit-Einblick in die Adhärenz und den Fortschritt (z.B. PROMs) der Patienten.
  • Proaktive Intervention: Das Team kann “Risiko-Patienten” (geringe Adhärenz) frühzeitig identifizieren und gezielt kontaktieren, anstatt alle Patienten gleich intensiv betreuen zu müssen.
  • Datenerfassung: Die Plattform liefert wertvolle Daten zur Adhärenz und zu den Outcomes – essenziell für die interne Qualitätssicherung und die Argumentation gegenüber Kostenträgern.

Mit einer digitalen Lösung wie Motus wird Prähabilitation vom logistischen Aufwand zu einem effizienten, datengesteuerten und integralen Bestandteil Ihres ERAS-Programms.

Fazit: Die Zukunft des perioperativen Managements ist hybrid

Fast-Track-Chirurgie ist der etablierte Standard. Die nächste Evolutionsstufe zur weiteren Optimierung der Outcomes liegt in der konsequenten Einbindung des Patienten vor dem stationären Aufenthalt.

Die Synergie von digitaler Prähabilitation (Prä-OP) und Fast-Track-Protokollen (Peri-OP) schafft einen lückenlosen, optimierten Behandlungspfad. Kliniken, die diesen hybriden Ansatz verfolgen, werden nicht nur ihre Komplikationsraten und Verweildauern weiter senken, sondern sich auch als Zentren für exzellente, patientenzentrierte Medizin positionieren.

Heben Sie Ihr Fast-Track-Programm auf das nächste Level.

Die besten ERAS-Protokolle verdienen die am besten vorbereiteten Patienten. Erfahren Sie, wie Sie mit der digitalen Plattform von Motus Health die Prähabilitation skalierbar in Ihre klinischen Pfade integrieren, die Adhärenz messen und Ihre Outcomes messbar verbessern.

(Quellen / Weiterführende Literatur)

  • [1] Kehlet, H. (2013). Fast-track surgery – an update on physiological principles and surgical practice. Regional Anesthesia and Pain Medicine.

  • [2] Gillis, C., et al. (2014). Prehabilitation versus rehabilitation: a randomized control trial in patients undergoing colorectal resection. Anesthesiology.

  • [3] Ljungqvist, O., et al. (2017). ERAS – Enhanced Recovery After Surgery: A review. JAMA Surgery.

 

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