Der “Empty Bed” Effekt: Wie reduzierte Verweildauer (LoS) Ihre DRG-Deckungsbeiträge saniert

Ein leeres Bett gilt im klassischen Krankenhaus-Management als Todsünde. “Leere Betten verdienen kein Geld”, hieß das Mantra der Pflegesatz-Ära. Doch im DRG-Zeitalter ist diese Logik ein teurer Irrtum. Ein durch Effizienz geschaffenes “Empty Bed” ist heute Ihr stärkster Hebel zur Margensicherung. Hier ist die mathematische Beweisführung.

Sprechen wir offen über Geld. Die Umsatzrendite deutscher Kliniken liegt im Schnitt bei knapp 1–2 % oder im negativen Bereich. Die Inflation bei Sachkosten und die Tarifsteigerungen im Personalbereich fressen die Erlöse auf, noch bevor sie auf dem Konto sind.

In diesem Umfeld versuchen viele Häuser, ihre Erlöse über “Menge” (Case Mix) zu retten. Doch mehr Fälle bringen nichts, wenn der einzelne Fall defizitär ist.

Der wahre Hebel liegt nicht im Mehr, sondern im Schneller. Die Length of Stay (LoS) ist die einzige Variable, die Sie – bei fixem DRG-Erlös – direkt beeinflussen können, um den Deckungsbeitrag (DB) pro Fall zu hebeln. Und genau hier wird Prähabilitation vom “medizinischen Nice-to-Have” zum “harten Sanierungsinstrument”.

Die Ökonomie der “Toxischen Tage”

Um den “Empty Bed” Effekt zu verstehen, müssen wir uns die Kostenstruktur eines stationären Falles ansehen.

Eine DRG (z. B. I44B für eine Knie-TEP) zahlt einen Pauschalbetrag. Sagen wir vereinfacht: 8.500 €. Ob der Patient 4 Tage bleibt oder 9 Tage (innerhalb der unteren und oberen Grenzverweildauer), ändert am Erlös: Nichts.

Die Kostenkurve verhält sich jedoch anders.

  • Tag 0-1 (OP & Aufwachraum): Die Kosten sind extrem hoch (Implantat, OP-Personal, Narkose). Hier entstehen 60–70 % der Gesamtkosten.
  • Tag 2-5 (Pflege & Mobilisation): Die Kosten flachen ab, bleiben aber durch Hotellerie, Pflege und Visite relevant (ca. 400–600 € Vollkosten pro Tag).
  • Tag 6-9 (Die “Long Tail” Phase): Der Patient ist medizinisch stabil, wartet aber auf die Reha, traut sich das Treppensteigen noch nicht zu oder hat noch Schmerzen.

Das ökonomische Problem: An Tag 7 erzielt der Patient 0 € Grenzerlös, verursacht aber variable Kosten (Essen, Wäsche, Medikamente) und bindet Fixkosten (Pflegekraft-Schlüssel). Jeder Tag, den der Patient am Ende “zu lange” liegt, frisst direkt den Deckungsbeitrag auf, den Sie an Tag 1 (OP) erwirtschaftet haben. Wir nennen diese Tage am Ende der Verweildauer die “toxischen Tage”.

Das “Empty Bed” Paradoxon

Warum ist ein leeres Bett an Tag 8 besser als ein belegtes?

Wenn Sie durch Motus Health (gezielte Vorbereitung) die Verweildauer von 8 auf 6 Tage senken, passiert Folgendes:

  1. Direkte Kosteneinsparung (Cash-Out): Sie sparen 2 Tage variable Kosten (Essen, Wäsche, Verbrauchsmaterial). Bei ca. 80–120 € reinen variablen Kosten pro Tag sind das ~200 € direkter Gewinn pro Fall. Das klingt wenig, aber bei 500 TEPs sind das 100.000 € Reingewinn.
  2. Opportunitätskosten (Der wahre Hebel): Das Bett ist an Tag 7 und 8 leer. Sie können es neu belegen. Ein neuer elektiver Patient (Tag 1) bringt eine extrem hohe Erlösdichte. Statt einen Patienten an Tag 8 “durchzuschleppen” (Erlös: 0 €/Tag), behandeln Sie einen neuen Patienten an Tag 1 (Erlös: rechnerisch 2.000 €/Tag “Umsatzgeschwindigkeit”).

Das “Empty Bed” ist also kein Leerstand. Es ist freigeschaufelte Kapazität für Hoch-Erlös-Phasen.

Rechenbeispiel: Hüft-TEP (I43B)

Lassen Sie uns das mit dem Bundesbasisfallwert 2025 (ca. 4.395 €) konkret durchrechnen. Annahme: Eine Hüft-TEP ohne schwere CC hat ein Relativgewicht von ca. 2,0 (vereinfacht für das Beispiel).

  • Erlös: ca. 8.800 €.
  • Mittlere Verweildauer (Bundesschnitt): ca. 9,5 Tage.

Szenario A: Standard Care (Keine Prähabilitation)

  • Der Patient kommt untrainiert.
  • Mobilisation beginnt schleppend an Tag 2.
  • Treppensteigen klappt erst an Tag 8.
  • Entlassung an Tag 10.
  • Kosten: 10 Tage Stationsaufenthalt.
  • Deckungsbeitrag: Mäßig.

Szenario B: Mit Motus Health (“Fit for Surgery”)

  • Der Patient trainiert 4 Wochen Quadrizeps & Glutealmuskulatur.
  • Mobilisation erfolgt am OP-Tag (Fast Track).
  • Treppensteigen an Tag 4.
  • Entlassung an Tag 7 (sicher!).

Der ökonomische Delta-Effekt pro Fall:

  1. 3 Tage weniger Hotellerie/Pflegeaufwand: 3 x 450 € (Vollkostenansatz zur Kapazitätsbewertung) = 1.350 € Ressourcenfreisetzung.
  2. Davon Cash-wirksam (variable Kosten): ca. 300 €.
  3. Kapazitätsgewinn: Sie haben 3 Bettentage gewonnen. Bei einer Station mit 30 Betten und 85 % Auslastung bedeutet eine LoS-Reduktion um 1,5 Tage, dass Sie 15–20 % mehr Fälle mit dem gleichen Personal und der gleichen Infrastruktur operieren können.

Im System der Fallpauschalen ist Geschwindigkeit = Marge.

Warum Motus der Schlüssel zum “Empty Bed” ist

Viele Kliniken versuchen, die LoS durch Druck auf den Sozialdienst zu senken. Das funktioniert nicht, wenn der Patient physisch nicht bereit ist. Sie können einen Patienten nicht entlassen, der nicht aus dem Bett kommt.

Motus Health ist das Werkzeug, das die medizinischen Voraussetzungen für die ökonomische Entlassung schafft:

  1. Funktionelle Sicherheit: Wer mit starken Muskeln kommt, ist schneller selbstständig (ADL – Activities of Daily Living). Das ist das Nr. 1 Kriterium für die Entlassung.
  2. Keine “Drehtür”: Eine frühe Entlassung bringt nichts, wenn der Patient als Wiederaufnahme (Komplikation) zurückkommt. Durch die präoperative Optimierung (Ernährung, Rauchstopp) senkt Motus die Komplikationsrate und macht die LoS-Verkürzung nachhaltig.
  3. Planbarkeit: Mit dem Clinician Dashboard sehen Sie vorher, wer ein “Fast-Track”-Kandidat ist (grüne Ampel) und wer länger liegen wird. Das optimiert Ihre Bettenplanung.

Fazit für den Controller: Investieren, um zu sparen

Die Kosten für eine Motus-Lizenz pro Patient sind minimal im Vergleich zum Wert von 2 gewonnenen Bettentagen.

Wenn Ihr Krankenhaus 1.000 elektive Eingriffe (Ortho/Viszeral) pro Jahr macht und Sie die Verweildauer im Schnitt nur um 1 Tag senken, gewinnen Sie:

  • 1.000 Bettentage Kapazität.
  • Ca. 100.000 € Einsparung an variablen Kosten (Essen/Wäsche).
  • Das Potenzial für ca. 100 zusätzliche TEPs (bei 10 Tagen LoS) im gleichen Budgetjahr – das sind ~800.000 € Mehrumsatz ohne einen einzigen neuen Mitarbeiter einzustellen.

Prähabilitation ist keine “Zusatzleistung”. Es ist Effizienz-Management. Sorgen Sie für “Empty Beds” an Tag 8, damit Sie an Tag 1 wieder Geld verdienen können.

Möchten Sie Ihren "LoS-Hebel" berechnen?

Wir haben einen DRG-Deckungsbeitrags-Rechner entwickelt. Geben Sie Ihre Fallzahl, Ihre aktuelle mittlere Verweildauer und den Basisfallwert ein. Wir zeigen Ihnen, wie sich Ihr EBIT verändert, wenn Motus die Verweildauer um nur 1,2 Tage senkt.

Evidenz & Kontext

  1. InEK (Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus): G-DRG Fallpauschalenkatalog 2025 & Bundesbasisfallwert.
  2. Schreyögg, J., et al. Kosten-Erlös-Matrix in der deutschen Krankenhausfinanzierung. (Standardwerk zur Deckungsbeitragsrechnung).
  3. Tjeertes, E. K., et al. (2022). Economic validation of Enhanced Recovery After Surgery (ERAS) programs. (Zeigt, dass LoS-Reduktion der Haupttreiber für Cost-Savings ist).
  4. Bundesverband der Krankenhaus-Controller (BVBC): Leitfäden zur Steuerung von Verweildauern.
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