Fit für die neue Hüfte: Warum Quadriceps-Kraft der bessere Prädiktor für TEP-Erfolg ist als das Implantat

In der modernen Endoprothetik diskutieren wir leidenschaftlich über Schaft-Designs, Abriebpaarungen und minimal-invasive Zugänge (DAA/Anterior). Die Hardware ist nahezu perfekt. Doch warum sind 10–20 % der Patienten trotz radiologisch perfekter TEP unzufrieden? Die Antwort liegt oft nicht im Metall, sondern im Muskel.

Als orthopädische Chirurgen sind wir Handwerker. Wir streben nach dem perfekten Offset, der exakten Beinlängenkorrektur und einer Zementierung für die Ewigkeit. Wenn das Röntgenbild im Aufwachraum “schön” aussieht, ist der Fall für uns technisch gelöst.

Für den Patienten beginnt die Wahrheit jedoch erst beim ersten Schritt. Und hier zeigt die biomechanische Forschung eine brutale Realität: Nicht das Titan entscheidet darüber, wie schnell der Patient die Treppe steigt, sondern der M. quadriceps femoris.

Dieser Artikel plädiert für einen Paradigmenwechsel in der elektiven Hüft- und Kniechirurgie: Weg von der reinen “Hardware-Fokussierung” hin zum “Software-Upgrade” (Muskelaufbau) vor dem Schnitt.

Das biomechanische Dilemma: “Schonhinken” frisst Muskulatur

Ein Patient, der sich für eine elektive Hüft-TEP anmeldet, hat meist eine jahrelange Leidensgeschichte hinter sich. Was passiert in diesen Jahren der Coxarthrose biomechanisch?

  1. Antalgische Schonhaltung: Der Patient vermeidet die Belastung des betroffenen Beins.
  2. Neurale Hemmung: Schmerz führt via “Arthrogenic Muscle Inhibition” (AMI) dazu, dass der Quadriceps nerval nicht mehr voll angesteuert werden kann.
  3. Massive Atrophie: Studien zeigen, dass Coxarthrose-Patienten auf der betroffenen Seite präoperativ bereits 10–20 % weniger Muskelmasse im Oberschenkel haben als auf der gesunden Seite.

Wir operieren also in ein funktionelles Defizit hinein. Wir bauen ein High-End-Gelenk in ein muskuläres System ein, das buchstäblich “auf dem Zahnfleisch geht”. Das Resultat: Das Gelenk ist beweglich, aber dem Patienten fehlt die Kraft (Motor), es zu stabilisieren. Das führt zu Gangunsicherheiten, Stürzen und der gefürchteten postoperativen Unzufriedenheit (“Es tut immer noch weh”).

Evidenz: Quadriceps-Kraft diktiert das Outcome

Die Datenlage ist eindeutig: Die präoperative Quadriceps-Stärke ist einer der validesten Prädiktoren für das postoperative funktionelle Ergebnis (insb. bei Knie-TEP, aber auch Hüfte).

  • Mobilisation: Patienten mit stärkeren Beinstreckern erreichen die Transfer-Ziele (Bett -> Stuhl) signifikant früher.
  • Sturzrisiko: Schwache Muskulatur ist der Hauptgrund für Stürze in den ersten 6 Wochen post-op. Ein Sturz mit periprothetischer Fraktur ist der “Worst Case” für jede EPZ-Statistik.
  • LoS (Length of Stay): In Fast-Track-Konzepten ist die Entlassfähigkeit an funktionelle Meilensteine geknüpft (z.B. “Treppensteigen”). Wer ohne Muskelkraft in die OP geht, braucht länger, um diese Meilensteine zu erreichen.

Fazit der Studien: Wir können das Implantat nicht isoliert betrachten. Die “Hardware” (TEP) funktioniert nur so gut wie die “Software” (Neuromuskuläre Ansteuerung).

Das Problem in der Praxis: Das “Reha-Paradoxon”

Traditionell verlassen wir uns auf die postoperative Rehabilitation (AHB), um die Muskeln aufzubauen. Das ist physiologisch gesehen zu spät.

Nach der OP befindet sich der Körper in einem katabolen Trauma-Zustand. Schwellung und Wundschmerz hemmen das Training. In den ersten 3–6 Wochen der Reha kämpft der Patient oft nur darum, das präoperative Niveau wieder zu erreichen, statt echte Kraftzuwächse zu erzielen.

Die Lösung ist “Prehabilitation”: Wir müssen das muskuläre Reservoir vor dem Trauma füllen. Es ist wie beim Hausbau: Man saniert das Fundament (Muskel), bevor man die neuen Wände (Implantat) setzt.

Aber wie setzen Sie das um, wenn Ihre Physiotherapie-Abteilung schon mit den stationären Patienten überlastet ist?

Die Skalierung: Digitales “Muskel-Tuning” mit Motus Health

Hier kommt Motus Health als Partner für Ihr Endoprothetikzentrum (EPZ) ins Spiel. Wir bieten keine allgemeine “Fitness”, sondern orthopädisch kuratierte Prähabilitation.

Wir verlagern den Trainingsbeginn 4 Wochen nach vorne – in die Wartezeit zwischen Indikationssprechstunde und Aufnahmetag.

1. Gezieltes Krafttraining (Anti-Frailty)

Die Übungen in der Motus App fokussieren sich auf die für den Gang relevanten Muskelgruppen:

  • M. quadriceps femoris: Für die Standphase und das Aufstehen.
  • M. gluteus medius: Zur Vermeidung des “Trendelenburg-Hinkens” (Absinken des Beckens).
  • Core-Stabilität: Für die allgemeine Balance.

Die Übungen sind “Safe for Surgery” – also so konzipiert, dass sie auch mit bestehender Arthrose schmerzarm durchführbar sind (isometrische Übungen, Closed Kinetic Chain).

2. Edukation und Erwartungshaltung

Ein informierter Patient ist ein besserer Patient. Motus bereitet den Patienten auch mental vor:

  • “Wie lerne ich den Unterarmgehstützen-Gang?” (Videoschulung vorab spart Zeit auf Station).
  • “Was sind Luxationsbewegungen, die ich vermeiden muss?” Das entlastet Ihr Pflegepersonal und die Physiotherapeuten am Aufnahmetag massiv, da die “Basics” schon sitzen.

3. Monitoring für das Case Management

Über das Motus Dashboard sehen Sie, ob der Patient “compliant” ist. Ein Patient, der 4 Wochen lang seine Übungen gemacht hat, ist ein “Fast-Track-Kandidat”. Ein Patient, der nichts getan hat, benötigt postoperativ wahrscheinlich mehr Support und eine längere Liegezeit. Diese Information erlaubt Ihnen eine präzisere Bettenplanung.

Ökonomischer Impact: PROMs und Qualitätssicherung

Für ein zertifiziertes EPZ (EndoCert) sind Patient Reported Outcome Measures (PROMs) die Währung der Qualität. Der WOMAC-Score oder der Oxford Hip Score fragen nicht nach dem Winkel der Pfanne. Sie fragen: “Können Sie Einkaufen gehen? Haben Sie Schmerzen?”

Indem Sie durch Motus die funktionelle Kapazität des Patienten erhöhen, zahlen Sie direkt auf diese Scores ein.

  • Bessere PROMs: Zufriedenere Patienten empfehlen Ihre Klinik weiter.
  • Wettbewerbsvorteil: In einem Markt, in dem jede Klinik “Exzellenz” verspricht, wird der Service (“Wir kümmern uns schon vor der OP um Sie”) zum Entscheidungskriterium für den Patienten.
  • DRG-Sicherheit: Schnellere Mobilisation schützt vor Erlöskürzungen durch den MDK (wegen “unnötiger” Verweildauer).

Fazit: Die beste OP beginnt 4 Wochen vorher

Das perfekte Implantat ist Standard. Das ist “Hygiene-Faktor”. Der Unterschied zwischen einem “guten” und einem “exzellenten” Ergebnis liegt heute in der Vorbereitung des Patienten.

Wir müssen aufhören, den Patienten als passives Objekt zu sehen, dem eine Prothese “eingebaut” wird. Wir müssen ihn zum Athleten machen, der für seinen Wettkampf (die OP) trainiert.

Der Quadriceps ist Ihr Verbündeter. Stärken Sie ihn. Mit Motus Health geben Sie Ihren Patienten das Werkzeug dazu an die Hand – ohne Ihre Physiotherapie-Ressourcen zu belasten. Machen Sie die Wartezeit zur Trainingszeit.

Wollen Sie Ihre PROMs und Mobilisationszeiten verbessern?

Wir zeigen Ihnen, wie Sie Motus Health nahtlos in Ihren EPZ-Workflow integrieren. Starten Sie ein Pilotprojekt und messen Sie den Unterschied im “Up-and-Go”-Test am Tag 1 post-OP.

Evidenz & Kontext

  1. Wang, L., et al. (2016). Preoperative quadriceps strength predicts functional outcome after total knee arthroplasty. (Zeigt den direkten Link zwischen Kraft und OP-Erfolg).
  2. Moyer, R., et al. (2017). The value of preoperative exercise and education for patients undergoing total hip and knee arthroplasty: A systematic review and meta-analysis. JBJS Reviews.
  3. EndoCert Erhebungsbögen: Anforderungen an die Patientenorientierung und Ergebnisqualität. (Relevanz für Zertifizierung).
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